Der Staatsbürgerpreis

Den mit 10.000 DM dotierten Staatsbürgerlichen Preis für Beiträge zur Auseinandersetzung mit Terrorismus und Gewalt konnte die Stiftung aus privaten Spendenmitteln erstmals 1993 verleihen.

Der Preis wurde am 27. August 1993 an die "Goldstone-Kommission", vertreten durch Richter Dr.

Preisverleihung in der Deutschen Botschaft in Pretoria (v.l.n.r.) Dr. Barthelt, Richter Goldstone, Bundesminister Spranger.
 h.c. Richard Goldstone, vergeben. Die Verleihung fand in der Residenz des deutschen Botschafters, Dr. ChristianÜberschär, in Pretoria statt. Die Botschaft übernahm damit einen nicht unbeträchtlichen Teil der Kosten, die mit einer würdevollen Preisverleihung verbunden sind. Die Laudatio hielt Bundesminister Spranger. Er würdigte das weltweit anerkannte, mutige Vorgehen der nach ihrem Vorsitzenden genannten Goldstone-Kommission, der noch die ebenfalls mit richterlicher Unabhängigkeit amtierenden Rechtsanwälte D.J. Roussouw und M.N.S. Sithole sowie L.G. Baqua und G. Steyn angehörten. Die Goldstone-Kommission hat mit ihren Untersuchungen der Möglichkeiten, öffentliche Gewalt und Einschüchterung durch alle Seiten zu verhindern, viel zum Gelingen des fundamentalen Reformprozesses in Südafrika nach Abschaffung des Apartheidsystems beigetragen. Auf das Ziel der Annette Barthelt-Stiftung eingehend, den Opfern und Hinterbliebenen von Terroranschlägen Beistand zu leisten, erklärte Bundesminister Spranger: "Dies ist ein Stiftungszweck, der gerade in einer Zeit, in der oft mehr Verständnis für die Täter aufgebracht und darüber die Leidender unschuldigen Opfervöllig vergessen werden, bei mir als Bürger, als Jurist und als verantwortlichemPolitiker auf tiefe Sympathie stösst. Ich würde mich daher freuen, wenn sich die Goldstone-Kommission diesem Aufgabenbereich in Zukunft ebenfalls stärker zuwenden würde".

Am 16. Januar 1997 wurde der Staatsbürgerliche Preis zum zweiten Mal vergeben. Auf Vorschlag des Vorstandes stimmte der Staatsbürgerliche Beirat der Annette Barthelt Stiftung zu, das "Behandlungszentrum für Folteropfer" im Klinikum Westend, Berlin, auszuzeichnen. Die Preisverleihung fand in der Landesvertretung Schleswig-Holsteins in Bonn statt. Die Laudatio hielt das damalige Mitglied des deutschen Bundestages, der jetzige Oberbürgermeister der Stadt Kiel, Herr Norbert Gansel, nachdem er sich anlässlich eines Besuches persönlich von der hochqualifizierten und engagierten Tätigkeit des Behandlungszentrums überzeugt hatte. Das Behandlungszentrum für Folteropfer wurde 1990 von Dr. Christian Pross gemeinsam mit mehreren Kollegen geschaffen. Es hat inzwischen Hunderten von Folteropfern physische und psychische Hilfe geleistet. Unterstützt wird es wegen haushaltsbedingter Kürzungen mit derzeit abnehmender Tendenz vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und von privaten Spendern, darunter die Alfred Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, von Jan Philipp Reemtsma und anderen. Norbert Gansel sagte in seiner Würdigung: "Auch der heutige Preis wird eine finanzielle Hilfe sein, er ist aber vor allem eine moralische Unterstützung für das Behandlungszentrum und eine Anerkennung für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die helfen, das Leiden von Gefolterten zu lindern und sich dabei wohl nie dem nachträglichen Mitleiden entziehen können, das schwerer lastet als das Mitleid von uns Ahnungslosen". Die Preisverleihung und die Berichterstattung darüber hatten für das Behandlungszentrum die erfreuliche Folge, dass einige Spender ihre Beiträge erhöhten.  


Preisverleihung 2003 im Presse-Club Bonn. Dr. Udo Ulfkotte und Dr. Günther Beckstein.
Am 9. Dezember 1999 wurde der staatsbürgerliche Preis an zwei Preisträgerinnen vergeben. Die Laudatio wurde von Hans Koschnik gehalten. Ein Preis ging an die Kölner Gynäkologin Dr. Monika Hauser von Medica mondiale e.V. Dieser Verein setzt sich seit 1993 für traumatisierte Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten ein. Dr. Monika Hauser gründete den Verein. Ihr wurden seit 1994 verschiedene Ehrungen zuteil, u.A. die Verleihung des Preises "Frau des Jahres" des Deutschen Staatsbürgerinnen-Verbandes. Ein weiterer Preis ging an Frau Behjad Moaali vom Verein Refugio Kiel. Der Verein wurde im Jahre 1997 gegründet (aber inzwischen aufgelöst), weil in Schleswig-Holstein eine Anlaufstelle für Opfer von Folter und politisch motivierter Gewalt fehlte. Die Projektpläne basieren auf Erfahrungen und den fachlichen Rat von Behandlungszentren aus anderen Bundesländern. Frau Moaali koordiniert die Arbeiten des Behandlungszentrums.

Am 12. Dezember 2003 ging der Staatsbürgerliche Preis an den Journalisten Dr. Udo Ulfkotte, der sich seit langem mit dem Phänomen des Terrorismus beschäftigt. Als Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für die Themen Naher Osten, Afrika und Geheimdienste hat der Preisträger Erfahrungen vor Ort gesammelt. Der bayerische Innenminister Dr. Günther Beckstein hielt die Laudatio.

Am 26. September 2007 wurde auf der Godesburg in Bonn der Staatsbürgerliche Preis der Annette Barthelt-Stiftung
Preisverleihung Staatsbürgerlicher Preis 2007 auf der Godesburg in Bonn.
an den Bergisch-Gladbacher VereinBrücken bauen verliehen. Die Sprecherin, Frau Christiane Bertram, nahm dankend die Urkunde und Prämie (6000 €) entgegen. Die Mitglieder von „Brücken bauen“ haben einen langen Atem bewiesen in ihren Bemühungen, im vom Krieg erschütterten Ex-Jugoslawien, Ausgleich zwischen unterschiedlichen und potentiell terrorträchtigen Ausgangspositionen zu schaffen. Der Verein „Brücken bauen“ finanzierte und organisierte Hilfstransporte, Unterkunft und praktische Lebenshilfe für etwa 2000 entwurzelte Erwachsene. In den letzten Jahren engagierte er sich vor allem sehr erfolgreich für Jugendprojekte über die Grenzen der Kriegsgegnerschaft hinweg.

Der Berliner Verein placet e.V. erhält den Staatsbürgerlichen Preis 2012 der Annette Barthelt-Stiftung e.V. Damit würdigt die Stiftung den Einsatz von placet e.V. für mittellose Terroropfer. Stiftungsvorsitzender Professor Dr. Wolf-Christian Dullo begründete die Wahl in seinem Brief an placet e.V: „Die Annette Barthelt-Stiftung möchte mit der

Preisverleihung 2012 am Geomar in Kiel. Prof. Dr. Frank W. Peter (placet e.V.) mit Prof. Dr. Wolf-Christian Dullo.
Preisverleihung Ihren sehr beeindruckenden Einsatz auszeichnen, indem Sie mittellosen Terroropfern helfen, wieder in Würde und eigenständig zu leben. Diese aufopfernde und zutiefst menschliche Tat hat uns alle bewegt, und wir sind der Überzeugung in Ihrer Einrichtung einen würdigen Preisträger gefunden zu haben.“ Der Berliner Verein placet e.V. hilft seit zehn Jahren entstellten und verstümmelten Opfern von Terror, Krieg, Folter oder ethnischer Verfolgung. Diese meist hilflosen Menschen – vor allem Kinder – werden nach Deutschland gebracht, wo sie von einem Team plastischer Chirurgen oft über Monate hinweg unentgeltlich operiert werden. Ziel ist es, dass die behandelten Menschen wieder ihr Heimatland zurückkehren, um dort ein eigenständiges, selbstbestimmtes und menschenwürdiges Leben führen zu können. Der plastische Chirurg Professor Dr. Frank Werner Peter, einer der Mitbegründern von placet e.V., zeigte sich hocherfreut über den Staatsbürgerlichen Preis der Annette-Bartheld-Stiftung: „Das ist eine wunderbare Nachricht. Wir sind sehr stolz darauf, dass ausgerechnet unsere Organisation ausgewählt wurde. Das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro ermöglicht es uns weiteren Menschen zu helfen.“ In den vergangenen Jahren hat placet e.V dutzende Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus unterschiedlichsten Ländern operiert und therapiert. Alle Mitarbeiter von placet e.V. arbeiten unentgeltlich.


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